Where to eat – London #Whitechapel

Es kommt selten vor, dass ich zweimal ins gleiche Hotel fahre. Eigentlich ist es noch nie vorgekommen. Weil mal ehrlich, irgendwie ist das doch so omamäßig, wenn man in seinem Urlaubsort jeden Oberkellner und jede Straßenlaterne persönlich begrüßen könnte. Nun gehöre ich selbst zu diesen Wiederholungstätern, denn London Whitechapel hat es mir wirklich angetan.

Whitechapel liegt in East-London. Bis in die City fährt man etwa 20 Minuten mit der U-Bahn. Wenn man das denn überhaupt möchte, denn der Bezirk bietet genug Amüsements und Unterhaltung für einige Tage. Wenn man an der Aldgate East aus der U-Bahn gestiegen ist fällt sofort auf, Whitechapel ist ein ziemlich bunter Bezirk. Was auf den ersten Blick etwas herunter gekommen aussieht, entpuppt sich schnell als multikulturelles und künstlerisches Highlight. Die Hauptschlagader bildet die Brick Lane. Die Straße ist gesäumt von Moscheen, Street Art, indischen Restaurants, kleinen Galerien und einer Unmenge von Coffeeshops. Die Besucher und Bewohner liegen irgendwo zischen hipp und skurril. Und wer Neukölln im Herzen trägt, der fühlt sich in Whitechapel schnell daheim.

©Janina Amendt

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Whitechapel London

Gefühlt, befindet sich in jedem dritten Haus ein Café, sodass man auf der Suche nach einem Frühstück nicht wirklich planen muss. Oftmals stehen Kuchen, Torten und Pies schon in den Schaufenstern und machen es schwer an den Kalorienbomben vorbeizukommen. Die meisten Cafés öffnen jedoch erst ab 10.00 Uhr. Und wieder mal verfluche ich mich, dass ich selbst im Urlaub ein Frühaufsteher bin.

Unweit von der Haltestelle Aldgate East gelegen befindet sich die Exmouth Coffee Company. Plant definitiv ein Frühstück hier ein. Es gibt eine große Auswahl an Sandwiches, Quiches, Torteletts und Croissants. Ab einer bestimmten Uhrzeit ist es gar nicht mehr so einfach hier noch einen Sitzplatz zu bekommen, aber das Warten lohnt sich.

Frisches Sauerteigbrot mit Obst, Lachs oder Cream Cheese sowie Müsli und frische Säfte gibt es im Full Stop. Der kleine Laden ist sehr gemütlich und auf den großen Ledercouchen kann man locker für ein bis zwei Stunden versinken. Ein unglaublich schönes Café ist außerdem das Kahaila. Hier gibt es frische Sandwiches und eine große Auswahl an Torten. Zu meinen all-time favourites gehört der Red Velvet Cake, der hier absolut köstlich ist.

Exmouth Coffee Company London

full stop Whitechapel London

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Red Velvet Cake London

Wer nur einen kleinen Snack sucht, muss unbedingt bei Beigel Bake vorbeischauen. Angeblich der älteste Beigel-Laden in London. Obwohl das auch am Beigel Café nebenan steht(?). Aber sei es drum. Die Ladeneinrichtung macht klar, dass der Laden tatsächlich schon etwas älter ist und erinnert eher an eine Waschküche. Im Hinterzimmer werden am laufenden Band tausende Bagels, Pardon!, Beigels, gebacken. Und die resoluten Damen hinter der Theke haben die Kunden mit liebevoller lauter Schnauze voll im Griff. Die Spezialität ist übrigens ein üppig belegter Fleisch-Beigel mit Gurke und Senf. Allerdings gibt es auch welche mit Lachs, Cream Cheese oder Erdnussbutter.

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Beigel Bake Whitechapel London ©Janina Amendt

Ein Erlebnis der ganz besonderen Art ist Lady Dinah’s Cat Emporium. Hier teilt man sich Tische und Stühle mit etwa 12 Katzen. Der Eintritt kostet 5 Pfund. Kurz vor dem Betreten des eigentlichen Cafés wurden wir noch durch eine Mitarbeiterin über den richtigen Umgang mit den Tieren aufgeklärt. Die Katzen dürfen verständlicherweise nicht bedrängt oder gestört werden. Streicheln und Spielen ist aber ok. Soweit so gut. Wir betreten den Vorraum voller Vorfreude auf einen gemütlichen Tee und ein Stück Kuchen. Was uns erwartete war eher eine Katzenbeerdigung. Etwa 8 Gäste saßen ehrfürchtig an den Tischen und gaben nur alle paar Minuten einen Schrei des Entzückens von sich, geredet wurde anscheinend nicht. Aus Angst gegen die unausgesprochenen Regeln dieser Gesellschaft zu verstoßen, verfielen auch wir in ein stummes Gemurmel. Dafür waren die Mitarbeiterinnen umso enthusiastischer, wenn es darum ging die Katzen zum Spielen aufzufordern.  Nach ein paar Minuten fragte wir uns, ob nicht WIR gerade belehrt worden waren die Tiere nicht zu bedrängen. Ständiges Rumgekreische und Spielanimationen durch das Personal gehörten wohl nicht dazu. Besonders schlimm hatten es die beiden roten Stubentiger Romeo und Donny getroffen. Sämtliche Fluchtversuche auf die Toilette oder in den Vorraum wurden sofort durch die freundlich kreischende Mitarbeiterin unterbunden. Ist schon scheiße…so ein Katzencafé-Leben.

Während das Pärchen mittleren Altres gegenüber von uns tonnenweise Scones und Torte in sich hinein schaufelte und mit Sahne-Schokolade runterspülte, zugegeben es sah alles köstlich aus, konnte das junge indische Pärchen neben uns gar nicht mehr an sich halten. Aus einer Kiste kramte er laufend neues Spielzeug hervor und jede Katze wurde gefühlt 99 mal fotografiert. Eine irre Atmosphäre. Wir tranken nur Tee, der wirklich ziemlich gut war und mit 2,50 Pfund für eine ganze Kanne auch überhaupt nicht teuer.

Als wir den Laden verließen saß der getigerte Romeo, oder vielleicht auch Donny (wer kann schon Katzen auseinanderhalten), neben der Tür und sah uns mit seinen großen Augen flehend und hilfesuchend an. Für einen Moment war ich versucht die Tür aufzureißen und gemeinsam mit den Stubentiger einen Fluchtversuch anzutreten. Da ertönte auch schon die freundliche Kreische hinter uns, packte Romeo, und brachte ihn zurück ins Katzenparadies.

©Janina Amendt

Nach einem langen Tag voller Kuchen und Tierfreunden trieb uns der Hunger in Richtung meiner absoluten liebsten Fisch und Chips Bude in London. Zugegeben, es ist auch die einzige, die ich jemals von innen gesehen habe, aber ich bin mir sicher, dass Poppies Fish und Chips die beste in ganz London ist. Hier wird am laufenden Band frittiert, was das Meer hergibt. Wir hatten Glück und wurden von der jungen Bedienung im 50´s Outfit bereits nach zehn Minuten an einen Tisch geführt. Die kleine Bude bietet Platz für etwa 20 bis 25 Personen und so wird hier im Akkord bedient und abgeräumt. Die Bestellung erhält man meist schon nach 3 Minuten, was genial ist, wenn man den Laden mit echtem Heißhunger betritt. Wir bestellten gebackenen Haddock, Chips und Erbsenpüree. Allerdings nur die normale Portion.

Unsere Tischnachbarn, vier wohlgenährte und äußerst sympathische Londonerinnen, waren enttäuscht, dass es an diesem Abend keine großen Portionen gibt. Deswegen bestellten sie zur Sicherheit für alle noch einmal frittierte Vorspeisen und überbackene Käse-Sandwiches. Ich bin beeindruckt. Kurz darauf betreten Stammgäste den Laden und werden vom offensichtlichen Geschäftsführer mit Küsschen links und rechts begrüßt. Als Vorspeise ordern sie eine Spezialität: Aal in Aspik. Dieser steht kurz darauf an der Theke neben uns zum Verzehr bereit. Nun, das ist wohl wirklich nur etwas für Kenner.

Ansonsten ist die Auswahl an Restaurants riesig. Von Dumplings bei Misschu, über Burritos und Tacos bei DF/ Mexico, traditioneller französischer Küche im Chez Elles Bisztroquet bis hin zu Pizza und anderen Kleinigkeiten bei den Buden im Hinterhof Dray Walk. In Whitechapel könnte man 7 Tage lange 4 mal täglich essen gehen und hätte immer noch nicht die vollkommene Auswahl ausgeschöpft. Wer sich übrigens in eines der 40 indischen Restaurants ziehen lässt, der darf sich nicht von den aufdringlichen Werbern auf der Brick Lane abschrecken lassen. Man sollte allerdings höflich abnicken, wenn man zum wiederholten Male auf ein günstiges Buffett hingewiesen wird. Wenn man den Werbeversuch nämlich ignoriert, kann es passieren, dass man einige Minuten einen schreienden und wütenden Inder beruhigen muss.

©Janina Amendt

©Janina Amendt

©Janina Amendt

©Janina Amendt

©Janina Amendt

Ein letzter Tipp ist der Backyard Market, der am Samstag und Sonntag stattfindet. Hier gibt es Handgemachtes von jungen Designern und Künstlern. Nebenan im Boiler House findet passenderweise ein Food Market statt, der den Besucher das Gefühl vermittelt sich über den gesamten Kontinent essen zu können. Ein wirklicher gelungener Abschluss für ein Wochenende in Whitechapel.

Der Markt öffnet immer samstags von 11 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr.

©Janina Amendt

Whitechapel London ©Janina Amendt

©Janina Amendt

Auf der Suche nach weiteren Food Guides? Hier geht es zu unseren Städtetrips und Reisen…

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Foodie | Traveler | Berlin | München Blog: www.jaegerundsammlerblog.com Twitter: @janinaamendt

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