Where to eat – Santa Barbara

Frühstück Santa Barbara

Erinnert ihr euch noch an Melrose Place? Stark verallgemeinert ging es um schöne Menschen, Sonne, Affären und Intrigen. Also die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Und Appartements wirkten wie eine Mischung aus schlechten Klischees spanischer Architektur und Shopping Malls.

Ungefähr so wirkte Santa Barbara auf mich. Und auch wenn mir dank Google ziemlich schnell klar war, dass Melrose Place in LA und nicht in SB spielte, blieb der erste Eindruck. Was macht man also als genervte Europäerin, gefangen in einer sonnigen Plastik-Welt voller gut gelaunten Menschen? Natürlich erstmal ordentlich meckern und europäische Blasiertheit an den Tag legen.

Die meisten meiner Tage habe ich also damit verbracht den Strand zu hassen sowie die Sonne, Beach Games und natürlich alle Menschen, die mich freundlich gegrüßt haben. Zwischendurch blieb zum Glück noch genug Zeit, um die eigene Arroganz herunterzuschlucken und dabei den Urlaub zu genießen. Denn Wohlstand und tausend Sonnenstunden sei Dank, kann man das ein oder andere kulinarische Highlight in SB entdecken. Ach, eigentlich war es ja doch ziemlich schön.

DSC_3002Big Sur Kalifornien

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Kulinarisches rund um die State Street

Das Leben konzentriert sich in SB um die State Street, die Shopping-Hauptschlagader der Stadt. Wer sich fußläufig zu dieser ein Hotel oder Appartement mietet, muss nicht jeden Tag ins Auto steigen. Da wir zum Glück privat untergekommen sind, kann ich zu Unterkünften leider keine Tipps geben. Eins ist jedoch klar: billig ist anders.

Nach mehrtägiger Fahrt mit Stopps im Yosemite Park und Carmel, freute ich mich wahnsinnig auf ein erstes entspanntes Abendessen. Dieses verbrachten wir im Blush, auf der State Street. Die Terrasse ist hier ziemlich schön, wenn auch im Melrose-Place-Lichterketten-Design. Bei der freundlichen Kellnerin bestellen wir Wein, frittierte Artischocken und belegtes Flatbread. Die Mitvierziger im Ibiza-Look am Nebentisch versuchen ein paar gutbetuchte Senioren aufzureißen. Die Stimmung passt. Verdammte scheiße auch ich bin gut drauf.

Nach dem Abendessen ziehen wir weiter. So eine richtige Partystadt ist SB übrigens nicht. Es ist alles eher gediegen und über allem liegt diese “Ach, wie schön das wir im Paradies leben” Stimmung. Der Pickle Room sticht da heraus. Die Bar ist anscheinend ein ehemaliges China-Restaurant. Abends trifft man in der 16 qm Bar auf Avocadofarmer, die zu Schießübungen auf Büchsen einladen und andere normale Menschen.

Der zweite Tag startet mit einem späten Frühstück in einer Simulation einer hübschen deutschen Autobahnraststätte. Das Savoy liegt in einer Nebenstraße der State Street und verzückt erstmal durch bunte Wänden und einer beeindruckenden Auswahl an Plastikblumen-Gestecke. Aber Augen zu und durch. Auf der ruhigen Terrasse kann man ein gutes Frühstück genießen. Auf der Karten stehen neben riesigen Frühstücks-Burritos und Cereal mit Früchten noch alle erdenklichen Eiergerichte.

Wer das Glück hat am Wochenende in der Stadt zu sein, kann den Tag mit einem Besuch des Farmers Market starten. Ich halte mich zurück und kaufe nur etwa 5-6 Tüten voll bunter Pflaumen, Salat, Beeren und Zucchini. Bargeld ist unnötig. Einfach mit der goldenen Plastikkarte am Eingang ein paar Wertbons kaufen.

DSC_2898Santa Barbara Farmers Market

Tag 3 beginnt mit einer Fahrradtour. Nicht ganz ungefährlich in einer Stadt, in der die Einwohner keinen Meter ohne Auto zurücklegen. Stürzt man sich also auf dem Drahtesel in den Verkehr, muss man etwas aufpassen, aber es geht schon. Schnell wird mir klar: SB verfügt über einige Hügel. Ich bereue es über die Auto-Liebhaberei der Amis gelästert zu haben.

Auf der kurzen Tour machen wir einen Stop im Lazy Acres Market. Und nein es ist kein botanischer Garten. Aber bei den Massen an frischem Obst und Gemüse, das sich hier unter der Decke stapelt, kann man schon mal ungläubig den Mund aufreißen. Wir gönnen uns einen grünen Smoothie an der Saftbar und liebäugeln noch kurz mit dem Raw Cheesecake.

Der Abend endet am Hendry´s Beach. Am Wochenende lassen hier viele Locals ihren Abend ausklingen inklusive Lagerfeuer und Delfin-Liveshow. Es ist kein Problem Fackeln aufzustellen oder ein Lagerfeuer anzuzünden, aber denkt immer daran: kein Alkohol in der Öffentlichkeit. Viele Kalifornier umgehen dieses Verbot und verstecken Wein in den Trinksystemen ihrer Wanderrucksäcke….kreativ muss man sein.

Den vierten Tag verbringen wir fast komplett auf der Arlington Avenue. Der Morgen beginnt im französischen Café Renaud´s. Der Laden ist so klein, dass er eigentlich fast nur Außentische hat. Im sonnigen Kalifornien aber kein geschäftsschädigendes Konzept. Hier gibt es guten Kaffee (in den USA nicht immer eine Selbstverständlichkeit), Croissants und Brioche. Die netten aufdringlichen Tischnachbarn sprechen mit uns über Entrepreneurship und eine Dame gibt uns noch ungefragt Restauranthinweise für den morgigen Tag. Noch eine Sache, an die ich mich gewöhnen muss, denn hier spricht man miteinander…also immer schön lächeln. Nach einer kurzen Mittagspause rollen wir uns auf die andere Seite der Arlington Avenue: ins Crushcakes. Auf der Karte stehen süße Cupcakes mit noch süßerer Glasur. Aber Red Velvet Cupcakes kann ich einfach nicht widerstehen.

Santa Barbara Kalifornien

Kurzausflug – Solvang, schlechter Kaffee und ein Geheimtipp

Die Zeit im Urlaub verfliegt immer schneller als daheim und so steht mit Tag 5 schon fast das Ende unserer SB-Woche bevor. Irgendwie ist mir aber auch nicht mehr nach Smalltalk mit Fremden und ich muss raus. Ein Roadtrip muss her. Der erste Stop auf unserer Route ist Solvang und fällt in die Kategorie Trash-Sightseeing. Solvang liegt im Hinterland von Santa Barbara und soll eine stilechte dänische Siedlung sein. Dazu wurden geschmackvolle Windmühlen und bunte Holzhäuschen im Disneyland-Look aufgestellt. Es gibt überall schrecklich übersüsste dänische Plunderteilchen und grauenhaften Kaffee, der einfach nur nach Brühe schmeckt. Irgendwie macht es dennoch Spaß und zumindest die Auswahl in den vielen Antiquitätenläden ist gut. Wir bestellen noch Appleskivver mit Marmelade  ein süßes Fettgebäck, das nur nach Zucker schmeckt. Nichts wie raus aus Klein-Dänemark.

Der nächste Stop ist Los Olivos. Eine kleine Ansiedlung von Häuschen mitten im Nirgendwo. Hier gibt es Krimskrams und Wein. Es ist ziemlich idyllisch hier, auch wenn man in 15 Minuten durch ganz Los Olivos geschlendert ist. Wir verzichten auf ein langes Mittagessen und versorgen uns im Deli mit frischen Sandwiches. Unser nächstes Ziel: Red Rock. Dieser kleine Geheimtip liegt am Ende der Paradise Road am Santa Ynez River. Folgt der Straße so lange bis ihr zum Wasser kommt. Kann bei Dürrezeit im Sommer schon mal etwas dauern. Unsere Mittagspause verbringen wir an einem kleinen einsamen Wasserbecken, fernab von Menschenmassen und kalifornischen Sporty-Spice-Barbies. Kalifornien von seiner schönsten Seite und ich strahle für den Rest des Tages ein „ok-es-ist-doch-toll-hier-Lächeln”.

Solvang CaliforniaSolvang CaliforniaDSC_2952 DSC_2972

Santa Barbara ganz hipp – Funkzone

Am Tag 6 geht es endlich in die Funkzone. Übrigens der „hippe“ Teil von SB. Nur um es vorweg zu nehmen: so funky ist es zwar nicht, aber es gibt eine Handvoll von tollen Restaurants, Winebars und kleinen Galerien. Zu den kulinarischen Highlights zählt das Lark. Der Laden ist aus guten Gründen bis auf den letzten Platz besetzt also besser reservieren! Ich bette mich in einem alten französischen Beichtstuhl und lausche den Anekdoten des Kellners. Zu jedem Gang bekommt man hier eine ausführliche kulinarische Geschichte erzählt und ich muss mich anstrengen, um alle englischen Küchen-Fachbegriffe zu verarbeiten. Zuerst serviert man uns etwas Rosmarin-Popcorn  ein Gedicht. Noch besser, und in der ganzen Stadt bekannt, sind nur die Brussels Sprouts. Das Geheimnis besteht aus einer ordentlichen Menge Kalorien, aber wenn stört das schon an so einem Abend.

Wir lassen den Abend bei den Municipal Winemakers ausklingen. Für 12$ kann man hier eine kleine Weinverkostung machen. Wer länger in SB verweilt, kann Mitglied des Wine Clubs werden und sich mehrfach im Jahr die neusten Kreationen schicken lassen. Da Wein trinken, Wein kaufen und Wein kennen in SB ein gern diskutiertes Thema ist, keine schlechte Idee.

Funk Zone Santa Barbara @Janina AmendtThe Lark Santa BarbaraDSC_3056

Tag 7…wir verlassen Santa Barbara. Auf unserem Weg nach Las Vegas plaudere ich mit den Verkäufern im Coffeeshop (geniale Muffins gibt es im Daily Grind) und lache fröhlich vor mich hin. Die Sonne scheint, welch ein schöner Tag. Ich bin super gut drauf. So ein Mist…ich hasse Kalifornien.

Veröffentlicht von

Foodie | Traveler | Berlin | München Blog: www.jaegerundsammlerblog.com Twitter: @janinaamendt

2 thoughts on “Where to eat – Santa Barbara

  1. Ich musste sehr grinsen bei Deinem Bericht. Als ich in SB ankam dachte ich mir auch „Wo bin ich denn hier gelandet?“. Es duftet nach Knoblauchbrot aus den Restaurants, die Leute sind mega gut drauf und es gibt Frühstücksteller auf denen herzhaft und süß gemischt ist (und man sich nicht wie sonst immer entscheiden muss). Irgendwie musste man es am Ende mögen…

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