Lavanderia Vecchia – Die 120 Minuten von Neukölln

Lavanderia Vecchia Neukölln

19.30 Uhr. Ein Hinterhof in Neukölln und ein Dutzend Gäste, die auf der Suche nach ihrem kulinarischen Highlight des Tages sind. Wer die Lavanderia Vecchia in der Flughafenstraße  einmal gefunden hat, der möchte nie wieder gehen. Jede Woche gibt es hier abends ein unglaubliches 12-Gänge-Menü. Übrigens abwechselnd mit Fisch- oder Fleischschwerpunkt und für Vegetarier absolut ungeeignet. Nach über drei Stunden Essen fühle ich mich wie nach einem Festtagsmenü bei meiner Oma. Satt und glücklich, aber kaum noch in der Lage Luft zu holen.

Aber zurück auf Anfang. Mit kulinarischer Vorfreude betreten wir die ehemalige Waschküche. Rohbeton, eine offene Küche, ein paar Spültücher und indirektes Licht: schick, unaufdringlich. Eine Speisekarte gibt es nicht. An diesem Abend bekommt jeder Gast das Menü, Widerspruch zwecklos. Ab 19.30 Uhr ist Einlass, um 19.45 Uhr geht es los. Wer nicht pünktlich ist muss sich im Eiltempo aus dem Mantel werfen, denn das kulinarische Stringendo rollt unnachgiebig in Richtung Höhepunkt. Das werden wir an diesem Abend noch selbst zu spüren bekommen.

Lavanderia Vecchia Neukölln Lavanderia Vecchia Neukölln

Als wir uns setzen, ist der Tisch bereits eingedeckt: Wasser, Meersalz, frisches Brot und Olivenöl. Soweit so gut. Pro Gast gibt es einen halben Liter Wein, der im Menü mit inbegriffen ist. Wir haben gerade noch Zeit mit vereinten Kräften die Menüfolge zu entziffern, die komplett auf Italienisch ist. Etwa 80% ist klar, der Rest bleibt eine Überraschung. Der erste Gang rollt an. 3 verschiedene Sorten Bruschetta. Noch sind wir entspannt. Jede Brotscheibe wird genüsslich verspeist. Nur die Leberpastete lasse ich aus. Da kommt auch schon Gang Nummer zwei. Salat mit Wildschwein-Salami. Gut ich bin zwar noch nicht fer…ah der nächste Gang. Frittierte Garnelenbällchen mit hausgemachter Aioli, die absolut atemberaubend ist.

Lavanderia Vecchia NeuköllnLavanderia Vecchia Neukölln

Wir werfen einen Blick in die Küche. Das Küchenteam, das aus zwei Personen besteht, ist unermüdlich bei der Arbeit. Von unserem Platz aus sehen wir literweise Olivenöl und ganze Pakte von Butter in großen Rührschüsseln verschwinden. Oh Gott, die nächsten zwei Wochen werde ich auf dem Laufband verbringen müssen. Wir sind mittlerweile bei Gang 4 und 5 und schwächeln schon etwas. Essen die anderen Gäste schneller? Gut, die müssen natürlich auch nicht jeden Gang für ihren digitalen Footprint fotografieren. Auf unserem Tisch stapeln sich jetzt schon die kleinen Schüsseln. Apropos Tisch, die leuchten jetzt plötzlich von unten. War das schon die ganze Zeit so?

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Nach gefühlten 100 Gängen, es waren eigentlich nur 9, erlöst uns die Bedienung endlich. Sie kündigt eine kurze Pause an. Zeit den Hosenknopf unter dem Tisch ganz unauffällig zu öffnen und ordentlich durchzuatmen. Wir blicken uns endlich mal in Ruhe um. Schön ist es in der Lavanderia. Das komplette Team, Service und Küche, sitzt jetzt selbst am Tisch und lässt es sich schmecken.

Nach kurzer Zeit geht es dann auch wieder weiter. Endlich, wir haben ja schon fast wieder richtig Hunger. Zwei Hauptgänge warten noch auf uns: Pasta und Steinbeißer mit Salbei-Kartoffelpüree. Letzteres ist so buttrig und köstlich, dass ich mich für einen kurzen Moment beherrschen muss nicht den Teller abzulecken.

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Nach dem Hauptgang denkt an Essen eigentlich keiner mehr von uns beiden…ach, da kommt ja endlich das Dessert. Das geht ja bekanntlich immer. In unserem Fall handelt es sich um eine hauchdünne Apfeltarte mit frischem Zitronen-Buttermilch-Eis. Davon werde ich noch eine Zeitlang träumen.

Wir genießen noch einen Espresso an der Bar, übrigens im Menü-Preis inbegriffen, und rollen langsam den Heimweg an.

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Lavanderia Vecchia
Flughafenstraße 46, 12053 Berlin

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