Where to eat – Cuxhaven

Die Nordsee wird mich wohl immer in einen 90er-Jahre-Kindheitserinnerungs-Flashback versetzen. Hier habe ich viele Familienurlaube und dutzende Ferientage verbracht. Verändert hat sich hier mancherorts anscheinend so gar nichts, zumindest für den gemeinen Tourist. In den Klimbim-Läden werden noch immer Massen von Stoff-Seehunden, Plastik-Leuchttürme und Marzipan-Strandkiesel verkauft. In Restaurants werden keine Gerichte angeboten, die keinen maritimen Namen haben. Hein-Blöd-Becher und Störtebekers-Fischplatte…Killer-Marketing. Und nicht zu vergessen der obligatorische Hinweis „Ferienwohnung zu vermieten“. Berliner Coolness und Hippster-Allüren sucht man vergeblich. Gott sei Dank ……

DSC_5396

DSC_5391

Cuxhaven ist von Berlin aus ziemlich gut zu erreichen. Ich steige freitagmorgens noch ziemlich schlaftrunken in den Zug und bin gute 3,5 Stunden später angekommen. Endstation. Es ist nebelig und windig. Bei meinem ersten Besuch ist es sogar so nebelig, dass ich die Schiffe im Hafen gar nicht sehen kann. Man hört sie nur, die Riesenpötte, die die ganze Welt mit Plastiksandalen und Autos beliefern. Bei gutem Wetter hätte man einen schönen Blick von der Alten Liebe und könnte vielleicht sogar mal einen Seehund erspähen. In Hafennähe befindet sich auch das Steubenhöft. Hier sind früher die Auswanderer nach Amerika gestartet. Heute findet sich hier eine kleine Ausstellung, die kostenfrei aber im Winter auch nicht beheizt ist. Wer sich trotzdem interessiert, muss sich durchschlottern.

Wenn man nichts sehen kann, kann man zumindest gleich zum Essen übergehen. Das Wochenende beginnt stilecht mit einem Fischbrötchen und führt mich zu Bohlsen. Abgesehen vom Restaurantbetrieb wird hier auch aus der Theke verkauft. Wer keine Lust hat für frischen Fisch extra bis nach Cuxhaven zu fahren, was eigentlich schade ist, kann auf der Homepage der Kleinen Fischkiste auch einfach online ordern. Eine gute Anlaufstelle, und nebenbei noch skurril-maritim eingerichtet, ist die Fischbörse ein paar Straßen weiter. Kleiner Tipp: Bestellt hier auf jeden Fall den Matjes. Der ist so butterzart, dass selbst Fischverächter nicht widerstehen können.

Fischhalle Cuxhaven DSC_5365 DSC_5368

Danach geht es erstmal zum Strand. Hier offenbart sich schnell der Grund für meine Winter-Strandurlaub-Vorliebe. Es ist kalt und windig. Nur wenige Menschen sind bei diesem Wetter unterwegs. Als wir ankommen ist gerade Ebbe. Aber tatsächlich scheinen im Februar sogar schon wieder Wattwagen zu fahren, denn deren Fahrrinnen sind so ziemlich die einzigen Zivilisationsanzeichen an diesem Tag. Die Wagen fahren raus zur Insel Neuwerk, die vor Cuxhavens Küste liegt und bei gutem Wetter auch zu erkennen wäre. Gut, dass ich die Gummistiefel schon in Berlin angezogen hatte. Denn für das ein oder andere Foto muss ich mich ziemlich tief in den Nordsee-Schlamm begeben. Meine Lippen brennen. Die Augen tränen. Nordseesalz.

DSC_6345 DSC_6363Cuxhaven

Tag zwei beginnt mit Nieselregen, der sich mit Schneeregen abwechselt. Nichts ändert sich so schnell wie das Wetter an der See. Wir fahren nach Bremerhaven. Erster Zwischenstopp: Küstenheide. Ein über 800 Hektar großes Naturschutzgebiet. Leider regnet es zu stark für einen ausgedehnten Spaziergang.

Wir fahren weiter über Dörfer, die sich allesamt ziemlich ähneln. Bauernhöfe, Backsteinhäuser, Reetdächer. Ferienwohnungen-Frei-Schilder, ab und an mal eine Post, Sparkasse oder Fischbude. Das ist hier die Grundstruktur.

Unser nächstes Ziel ist der Leuchtturm Obereversand. Als wir aussteigen peitscht uns ein eisiger Wind ins Gesicht. Ich überlege kurz, ob ich zurück ins Auto gehe. Außer uns sind nur noch zwei weitere Personen auf dem Weg zum Leuchtturm. Sie kapitulieren aber schnell. Weicheier. Der alte Leuchtturm, übrigens 1887 erbaut, scheint derweil immer weiter in die eisige Ferne zu rücken. Der Himmel ist grau, es ist Ebbe. Auf meiner Kamera sieht jedes Bild aus wie ein Schwarz-Weiß-Foto. Noch nicht mal Möwen sind zu sehen oder hören. Dafür stehen hier aber tatsächlich zwei Fischbrötchenbuden und warten auf das Geschäft ihres Lebens. Tourismus ist die Lebensader der Küstenlinie, auch im Winter.

Auf dem Weg legen wir einen Zwischenstopp am Ochsenturm in Imsum ein. Dieser gehört zu einem kleinen Friedhof direkt hinterm Deich. Der Ochsenturm ist eigentlich ein Kirchturm ohne Spitze, die ist nämlich im Jahr 1875 bei einem Blitzeinschlag zerstört worden. 1895 hat man dann auch noch das Kirchenschiff abgerissen und die Glocken in eine neue Kirche verfrachtet. Heute ist der Turm eine Aussichtsplattform, die bei schlechtem Wetter leider nicht geöffnet hat. Tja, Nordsee-Winterurlaub. Dafür sind wir aber alleine auf dem Deich und genießen die frische Luft.

DSC_6393 DSC_6413

Als wir in Bremerhaven ankommen wird mir klar, dass diese Stadt wohl etwa das genaue Gegenteil von dem ist, was man als schön bezeichnen würde. Ein paar alte Backsteinhäuser gemischt mit Nachkriegsbauten und Hafenkränen prägen das Stadtbild. Der Himmel ist grau, es regnet.

Bremerhaven wirkt wenig einladend. Umso verwunderlicher welche Vielfalt an Museen es hier gibt. Ziemlich bekannt ist das Auswandererhaus. Unweit entfernt liegt das Klimahaus, in dem man alle Klimazonen der Welt besuchen kann. Ein paar Meter weiter das Schiffahrtsmuseum. Wer von alledem genug hat, kann immer noch die Aussichtsplattform auf dem Atlantic Hotel besuchen oder einen Abstecher in den kleinen Zoo machen. Langweilig wird es dem passionierten Museumsgänger jedenfalls nicht so schnell. Auch wenn ich teilweise das Gefühl habe, dass man das Ruhrgebiet in den Norden verpflanzt hat.

Für einen schnellen Mittagsimbiss fahren wir zu Fiedlers Fischmarkt. Auf den ersten Blick ist es hier etwas touristisch. Am Eingang warten erstmal ein paar Klimbim-Läden mit Seesternen, Korallenketten und anderem überflüssigem Kram. Hm, Senioren-Butterfahrt? Gott sei Dank lohnt sich der Fischverkauf dann aber auf jeden Fall und die als Erlebnisgastronomie umgebauten Gebäude erweisen sich tatsächlich als echte Urgesteine. Hier wird bereits seit 1906 Fisch verarbeitet. Heute wird jede Variante von Stremellachs und geräucherten Makrelen angeboten. Wer noch ein paar Schritte bis zum Ende der Fischmeile läuft, kann sogar einen Blick in die Produktionshallen werfen. Wir gönnen uns eine Tüte Fisch and Chips.

DSC_6450 DSC_6451 DSC_6455

DSC_6483

Tag drei und damit der letzte Tag des Nordsee-Urlaubs bricht an. Leider neigt sich so ein Kurztrip immer schnell dem Ende zu. Wir starten den Tag im Mini-Städtchen Otterndorf. Süß: das ist meine erste Assoziation. Otterndorf ist so klein, dass man aufpassen muss, nicht aus Versehen durchzufahren. Es besticht aber mit einer großen Anzahl historischer Gebäude und schöner kleinen Gassen. Ich drücke mir die Nasen an ein paar Trödelläden platt, die hier in der Umgebung eine geniale Auswahl haben. Und das ganz ohne Berliner-Wichtigtuer-Aufpreis. Zu den berühmtesten Häusern gehört das Kranichhaus. Im barocken Schmuckstück ist heute ein Regional-Museum untergebracht. In Otterndorf soll man sich erzählen, dass der Kranich auf dem Dachgiebel in der Nacht erwacht. Dann schmeißt er die Kugel, die er in den Krallen hält, dem Vogel auf dem Dachgiebel gegenüber zu. Gibt es etwas Schöneres als schrullige Dorfgeschichten?

Auf dem Rückweg nach Cuxhaven legen wir noch einen Stopp im Café Schwein ein. Das Café ist der letzte verbliebene Teil der Festung Franzenburg. Als wir eintreten sind wir die ersten Gäste und werden vom Besitzer begrüßt. Wir bestellen Kuchen und Kaffee. Serviert werden hier übrigens ganze Kannen, wie wir später feststellen. Der Kuchen ist fantastisch und so langsam füllt sich der Gastraum. Der Café-Besitzer sitzt mittlerweile bei den Gästen am Nebentisch und erzählt von seiner alternativen Schweinezucht. Manche Momente sind unbezahlbar.

DSC_6509 DSC_6530 DSC_6538 DSC_6572 DSC_6585

Der letzte Abend endet da, wo der Kurztrip begonnen hat: am Strand. Noch einmal schnell den Kopf durchpusten lassen, bevor man sich wieder ins selbst gewählte Chaos der Großstadt begibt. Was wäre das Leben ohne Gegensätze. Also, zurück in die Zukunft.

Veröffentlicht von

Foodie | Traveler | Berlin | München Blog: www.jaegerundsammlerblog.com Twitter: @janinaamendt

4 thoughts on “Where to eat – Cuxhaven

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s