Raus aus der Stadt – Wandern in der Sächsischen Schweiz

Wer kennt sie nicht? Die kitschigen Werbefotos des sächsischen Tourismusverbandes. Im Morgengrauen erhebt sich die Bastei aus den bizarren Steinformationen des Elbsandsteingebirges. Dennoch. Ein kleines innerliches „Hach, wie schön“ können wir nicht zurückhalten. Und Wandern ist ja eh unser neues Hobby.

Der 1990 geschaffene Nationalpark umfasst eine Fläche von etwa 93km2. Als Sächsische Schweiz wird der deutsche Teil des Gebirges bezeichnet, das sich noch bis Tschechien erstreckt. Den Namen verdankt es übrigens den beiden Schweizern Künstlern Adrian Zingg und Anton Graff, die im 18. Jahrhundert an die Dresdener Kunstakademie berufen worden waren. Das Gebirge, das etwa einen Tagesmarsch von ihrer Unterkunft entfernt lag, erinnerte die beiden Künstler an ihre Heimat Schweiz. Populär wurde die Bezeichnung jedoch erst später. Dank der guten Autobahnverbindung muss man die Anreise heute nicht mehr in Tagesmärschen ausdrücken. Etwa 2-3 Stunden sollte man aber von Berlin aus einplanen. Und natürlich fährt auch die Bahn.

ausblick2 bastei

 Die Bastei – welcome to Touri Paradise

Wir starten Sonntagmorgen. Über die 113 geht es über die A13 in Richtung Dresden. Wir wechseln auf die A4 und später auf die A17. Bei der Ausfahrt Pirna fahren wir ab und folgen den Schildern in Richtung Bad Schandau/ Lohmen. Die Bastei ist ab hier ausgeschildert und kann gar nicht verfehlt werden.

Die letzten 2 km zur Bastei legen wir zu Fuß zurück. Einige Reisebusse passieren uns und geben uns eine Idee von dem, was uns erwartet: Touristen, Beton, Pommes. Denn die Bastei ist mittlerweile die meistbesuchte Touristenattraktion der SZ. Und da Touris bekannterweise ungerne laufen, selbst im Wanderparadies, ist der Parkplatz, der der Bastei am nächsten liegt, auch dementsprechend voll. 194 m thront diese über der Elbe und garantiert dem Besucher einen lohnenswerten Ausblick über das Elbtal. Seit dem 18. Jahrhundert ist sie DAS Ziel aller Reisenden. Und seit 1812 werden Besucher hier gastronomisch versorgt. Zuerst noch recht einfach: Brot, Butter und Kaffee. Heute gibt es ein Restaurant mit Panoramablick und Hotelbetrieb.

Zunächst folgen wir wahllos dem Malerwanderweg. Dieser führt uns bergab. Hier kann ganz es morgens noch ganz schön kalt werden. Eine dünne Jacke sollte man auch im Sommer im Gepäck haben. Am Fuße der Schlucht angekommen, folgen wir den Schildern in Richtung Amselsee. Die Schwedenlöcher lassen wir links liegen. Nach etwa 30 Minuten erreichen wir die Gaststätte Amselfall.

Der Besuch derselbigen gleicht einer Zeitreise in die Wanderzeiten der 60er Jahre. Und auch die Speisekarte scheint noch aus dieser Zeit zu stammen. Wir wählen die Veggie-Variante und bestellen Pommes. Gar nicht schlecht übrigens. Alle paar Minuten kracht ein mehr oder weniger beeindruckender Wasserfall in die kleine Schlucht neben uns. Aha, deswegen also „Amselfall“. Allerdings nur gegen Geld. Wir heben uns dieses fulminante Highlight für das nächste Mal auf.

Zurück auf dem Wanderweg passieren wir die Alte Mühle. Diese liegt in einer kleinen Schlucht, zusammen mit einigen anderen Gebäuden, die wir als Ferienwohnungen und Restaurants identifizieren. Vielleicht liegt es an der Vorsaison, aber hier hat anscheinend schon lange niemand mehr gegessen. Geisterstadt auf Sächsisch. Wenige Minuten später erreichen wir Rathewalde. Wir machen einen kurzen Abstecher auf den Rundwanderweg und genießen 15 Minuten absolute Ruhe.

Gaststätte Lindengarten
Am Grünbach 1, 01846 Hohenstein/ OT Rathewalde

Rathewalde
Der Rundwanderweg

Gaststätte Amselfall
pommes
ziege

Wolfsschlucht – traue sich wer kann

Wir folgen den Schildern nach Hockstein. Leider müssen wir kurzzeitig über die Straße laufen und beten, dass uns die Motorradfahrer nicht über den Haufen fahren. Davon gibt es in der Gegend ziemlich viele. Was dazu führt, dass unsere entspannende Naturroute minutenlang von lautem Motorgeräuschen begleitet wird. Vorbei mit der Idylle. Wir passieren die alte Wehranlage in Hockstein und blicken in das 115 m tiefer liegende Polenztal.

So langsam haben wir ein bisschen das Gefühl für die Zeit verloren und Hunger haben wir auch. Die nächstgelegene Station ist Stadt Hohnstein, die wir kurzum zum Endziel auserkoren haben. Mehr zufällig wählen wir den Weg durch die Wolfsschlucht und steigen hinab ins Polenztal. Der Abstieg in die mit Quarzadern durchzogene Schlucht ist eng und schmal. Die hinab führenden Eisentreppen, die im Stein verankert sind, wirken aber bedrohlicher als sie wirklich sind. Der Abstieg dauert nur wenige Minuten und ist auch für Teilzeit-Klaustrophobiker wie uns zu meistern.

Hocksteinschenke
Beliebter Treffpunkt für Moped- und Motorradfahrer. Außerdem günstige Zimmer.
Am Hockstein 1, 01848 Hohnstein

Gastätte und Pension Polenztal
Geeignet für alle, die einen mehrtägigen Marsch durch die SZ planen. Super Lage, direkt im Wald.
Polenztal 2, 01848 Hohnstein

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 Hohnstein – wir sind am Ziel

Auf den letzten Metern wird es nochmal ziemlich warm. So schleppen wir uns mehr oder weniger nach Hohnstein. Ein Blick auf die Uhr sagt, dass wir mittlerweile über 6,5 Stunden zu Fuß unterwegs sind. In Hohnstein gönnen wir uns deshalb eine kleine Pause und genießen eine Kugel Gurke-Waldmeister-Eis bei Holunder Hohnstein.

Wir haben Glück. Ein letzter Bus fährt noch bis zu unserem Parkplatz an der Bastei. So müssen wir nicht wieder 4 oder 5 Stunden zu Fuß zurücklegen. Der letzte fährt am Wochenende etwa gegen 17.30 Uhr. Wer sich nicht aufs Glück verlassen will, sollte also vorplanen.

Hohnstein
Bus und Bahn

Holunder Hohnstein
Rathausstraße 1, 01848 Hohnstein

rundblick RathewaldeDSC_8440

Dresden – es liegt ja auf dem Weg

Das schöne an der Sächsischen Schweiz ist die Nähe zu Dresden. Deswegen entscheiden wir uns, unseren Abend in der Neustadt zu verbringen. Die Auswahl an Restaurants ist groß und fast jede Speisekarte klingt verführerisch.

Unsere Wahl fällt auf den Falschen Hasen. Ein veganes Restaurant mit schönem kleinen Innenhof. Der Service ist super bemüht, aber leider etwas langsam. Nach 6 Stunden Wandern, sind wir ausgehungert und ungeduldig. Sobald wir allerdings bestellt haben, kommt das Essen recht schnell. Die Gäste neben uns wickeln ihr Baby mitten auf dem Tisch, bevor es dann noch etwas nackt durch den Innenhof läuft. Am Nachbartisch sitzt eine Antifa-Fraktion und diskutiert über mögliche Aktionen in der Ukraine. Wir müssen grinsen, etwas klischeehaft ist das schon. Nett ist es trotzdem und das Essen absolut köstlich. Vor allem der vegane Nussbraten mit Cranberries.

Falscher Hase
Rudolf-Leonhard-Straße 3, 01097 Dresden

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Unsere Route im Überblick:
Parkplatz  „Am Steinreich“
Bastei
Amselsee
Gaststätte Amselfall
Rathewalde
Rundwanderweg
Hockstein
Wolfsschlucht
Bärengarten Polenztal
Hohenstein
Bus zum Parkplatz „Am Steinreich“

Mehr Infos zu Wanderrouten unter:
Tourismusverband Sächsische Schweiz

2 thoughts on “Raus aus der Stadt – Wandern in der Sächsischen Schweiz

  1. Hallo ihr Zwei,
    die Bastei steht auch schon seit langem auf meiner Wunschliste! Wirklich schöne Bilder, sieht fast magisch aus… 🙂
    Und das Gurken-Waldmeister-Eis sieht auch absolut lecker aus!

    LG, Julia

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