Slow Travel? Nicht ohne meine Listen!

Snæfellsnes Iceland

Wer mich besser kennt, der weiß, ich bin ein Listen-Mensch. Ich plane gerne. Vorbereitung ist mein zweiter Vorname. Es ist eine Berufskrankheit, glaube ich zumindest. Als Eventmanagerin mache ich gerne Listen, ich brauche sie sogar. Tief in meinem Inneren befürchte ich aber, es liegt nicht nur am Job. Vielleicht bin ich auch einfach nur ein Kontrolltyp, behalte gerne den Überblick und weiß immer, wann ich was tun werde.

Auf Hochtouren laufe ich während der Urlaubsvorbereitung. Reiseapotheke, Kleiderauswahl, Proviant, Reiseführer…..Vorbereitung ist alles. Verantwortlich ist dafür auch meine Flugangst. Planung hilft, diese mal zumindest im Vorfeld zu vergessen. Für Städte, die ich nicht kenne, brauche ich Wochen. Ach, sogar Monate. Als ich 2014 für vier Wochen durch die USA reisen, fange ich meine Planung etwa 5 Monate vorher an. Pinterestlisten, Instagram-Recherchen, Reiseführer – mit verschiedenen Medien begann ich meine Planung.  Ständig googelte ich Restaurants, Sehenswürdigkeiten oder die besten Cafés. Unterkunft, Frühstück und die richtige Nachbarschaft sind für mich entscheidend. In mein Reisenotizbuch notierte ich Restaurant-Empfehlungen, Locations und Food-Blogs, die ich noch mal in Ruhe durchlesen wollte. Irgendwann ertappte ich mich dabei verschiedene Outfitkombinationen aufzumalen, um den Koffer möglichst optimal zu packen. OK, das war echt schräg.

Hanfgepäck Reise

Bin ich ein Typ für Slow Travel?

Wenn ich meine Eigenbeschreibung lese, würde ich das spontan verneinen. Aber im Urlaub bin ich anders. Meistens lasse ich mich treiben, tue eigentlich nicht viel. Ich schlendere durch die Straßen, sitze in Cafés und lese. Museen besuche ich fast nie, Hauptattraktionen selten. Ich war 6 Tage in New York ohne den Central Park, ein Museum oder die Freiheitsstatue gesehen zu haben. Dafür kenne ich die besten Mini-Cafés in Brooklyn und bin stundenlang ohne Ziel mit dem Rad durch die Stadt gefahren. Ich buche gerne Wohnungen über Airbnb oder Hotels, die in Nachbarschaften fernab des Touri-Trubels liegen. Beim Frühstück im Café nebenan lese ich dann in meinen To-do-Listen mit dem Wissen, dass ich mir alles angucken könnte, aber nicht muss. Vorbereitet wäre ich ja. Das ist für mich Entspannung.

Im August 2015 stand ich mit Hunderten Touristen am berühmtesten Geysir Islands. Das Highlights in jedem Reiseführer. Minutenlang sehe ich das Ereignis nur durch meine Kamera-Linse. Zusammen mit allen anderen Verrückten stehe ich gebückt am Krater des Wasserlochs und hoffe, einen besonders guten Schuss zu erwischen. Meine Oberschenkel schmerzen schon, es regnet, meine Finger werden kalt. Wann spuckt das blöde Ding endlich wieder? Das italienische Pärchen neben mir küsst sich schon seit 7 Minuten, um ein Kuss-vor-dem-Geysir-Selfie zu schießen. Sämtliche Japaner haben ihre 2.000€-Objektive auf das kleine Wasserloch im Boden gerichtet. Bescheuert, denke ich irgendwann. Kamera weg, Handy auch.

2 Tage später fahren wir irgendwo in die Pampa Islands. Es regnet und ist nebelig. Es soll nur wenige, eigentlich keine Highlights auf unserer Route geben. Für mehrere Stunden scheinen wir ganz alleine auf der Welt, kaum ein Auto begegnet uns. Wir sehen beeindruckende Regenbögen, begegnen neugierigen Islandpferden  und wandern an einsamen Klippen. Meine liebsten Reisefotos entstehen auf dieser Tour. Die Bilder vom Geysir habe ich übrigens fast alle gelöscht, zu viele Touristen sind darauf zu sehen.

Snæfellsnes Iceland

Snæfellsnes Iceland

island

Den Beitrag hat Janina im Rahmen der Blogparade „Slow Travel“ von 1 THING TO DO verfasst.

Veröffentlicht von

Foodie | Traveler | Berlin | München Blog: www.jaegerundsammlerblog.com Twitter: @janinaamendt

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