Jagen und sammeln in Vietnam – 3 Monate Rucksnacking durch Südostasien

Ist es erlaubt, die letzten Wochen in Kambodscha, Laos und Vietnam zu vermissen, wenn man sich gerade auf den Philippinen befindet, dem Paradies schlechthin? Ich glaube wirklich nur dann, wenn man gutes Essen genauso wichtig findet, wie blaue Lagunen und weiße Strände. Oder wenn man eben Foodblogger ist und auf der Suche nach kulinarischen Highlights. Ich befinde mich jetzt seit zehn Tagen auf den Philippinen und bin ein wenig enttäuscht von dem Essen hier, bis jetzt hat mich noch nichts vom Hocker gehauen. Ich wünsche mir, dass sich meine Meinung in den nächsten Wochen noch ändern wird, aber große Hoffnung habe ich nicht. Wenn es ganz schlimm kommt, wird der Beitrag nur aus Fotos mit Sonnenuntergänge und Inseln bestehen.

Nun gut, umso mehr freue ich mich jetzt nochmal in Erinnerungen zu schwelgen und euch von den Köstlichkeiten aus Vietnam zu berichten.

Sonnenuntergang hue

Von Thakhek in Laos fahren wir mit dem Bus direkt nach Hue in Vietnam, unsere erste Station dort. Ein bisschen Nervenkitzel gibt es an der Grenze, da wir uns vorher in Deutschland schon ein Visum besorgt haben, das erst für eine Woche später gilt. Nach einigem Hin und Her und ein paar strengen Blicken klappt es dann aber doch und sogar ohne extra drauf zu bezahlen. Für gewöhnlich muss man ja einfach mal ein paar Scheine zücken, nur damit sie einem den Stempel geben. Aber wie gesagt, alles in Butter. Und schon einige Kilometer hinter der Grenze merken wir, dass wir nicht mehr in Laos sind. Woran? Wir sehen endlich wieder grüne Bäume, Sträucher, fette Kühe und saftige Reisfelder. Nach der Bullenhitze in Laos ist das eine echte Wohltat für die Augen. In Hue angekommen, sehen und hören wir zunächst nur eins, Motorroller, und zwar viele. Unglaublich, sowas hatte und ich zwar schon im Fernsehen oder so gesehen, aber in live ist das nochmal heftiger. Die Straße zu überqueren ist jedes Mal ein Abenteuer. Aber wir haben ein sehr schönes Hotel in einer kleinen Seitenstraße gefunden, wo tatsächlich absolute Ruhe herrscht. Echt Glück gehabt. Wir fragen das sympathische Mädchen an der Rezeption nach einer Restaurantempfehlung und sie zeigt uns auf dem Stadtplan, wie wir zu Hang’s Restaurant kommen. Das soll sehr gut sein. Ein wenig erschöpft von der langen Busfahrt sammeln wir unsere letzte Kraft zusammen und machen uns auf den Weg. Dort angekommen sind wir sicher, das muss gut sein. Das Restaurant ist voll, Touristen und Einheimische gemischt – das ist ein gutes Zeichen. Wir setzen uns und bestellen gleich das empfohlene Menü. Von allem etwas. Das Essen macht einfach am meisten Spaß, wenn der Tisch voller kleiner Teller steht und man von allem ein bisschen probieren kann.

Menü Hang's Restaurant

Es gibt Banh Bao (gedämpfte Reisküchlein mit Shrimps), Banh Koai (frittierte Pfannkuchen aus Reispulver), Nem Lui (Hackfleischbällchen), Banh Curong Thit Nuong (Hackfleischbällchen in feuchtem Reispapier) und Nem Ran (Frühlingsrollen). Mhhh….schon allein der Anblick, als das Essen serviert wird, macht glücklich. Es sieht alles super lecker aus und wir stürzen uns auf die Teller. Nach 10 Minuten ist alles verputzt und wir bestellen noch eine Runde. Vor allem vom Banh Koai, das Pendant zum Banh Xeo aus Kambodscha, hat es mir natürlich angetan. Nur die vietnamesische Version ist kleiner und frittiert. Sagte ich schon mhhhhh?

Frühlingsrollen selbst machen Hang's Restaurant

Banh beo

Das ist einfach so gut, dass wir am nächsten Abend wieder dort hingehen. Tagsüber widmen wir uns allerdings, nach der obligatorischen Pagodatour (Tempeltour) natürlich, wieder dem Streetfood. Es gibt einfach nichts Besseres, als alle paar Meter eine Kleinigkeit von der Straße zu genießen. Natürlich steht auch hier der Banh Koai ganz oben auf der Liste. Mein zweiter Favorit ist der Banh Bao – ein Teigbällchen gefüllt mit Gemüse, Fleisch oder manchmal auch süß mit Schokolade. Frisch aus dem Dämpfer, göttlich. In Berlin habe ich erst kurz vor der Reise ein Burger mit Banh Bao Teig gegessen, eine coole Variante zum leidigen Burgerbrötchen.

Banh baoh

Banh Xeo streetfood

Banh Xeo Streetfoodstand

Die Markthalle vom Dong Ba Market in Hue ist nochmal ein Abenteuer für sich und es lohnt sich auf jeden Fall, dort mal durchzustöbern. Hier kann man alles kaufen, was das Herz begehrt. Fleisch, Fisch, Gemüse, Kleidung, Schuhe und tausend andere Geschichten. Ich habe mir ein paar Sandalen gekauft, die natürlich schon längst wieder kaputt sind. 

Markt hue gambas

Markt hue Gewürze

Markt hue

Nach Hue geht es für uns weiter nach Hoi An, eine kleine Stadt, die sogar zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Die komplette Altstadt ist mit Laternen geschmückt und vor allem am Abend sehr schön anzusehen. Man muss allerdings dazu sagen, dass die Stadt ein absoluter Touristenmagnet ist. Die Straßen sind manchmal vor lauter Selfiestickwolken nicht mehr zu sehen, geschweige denn zu durchqueren.

Laternen nachts

Brücke hoi an

Es empfiehlt sich also, sich am besten vor der üblichen Dinnerzeit ein Tisch in einem der gefühlten tausend Restaurants zu sichern und sich den Trubel entspannt von außen anzuschauen. Genau das machen wir auch und zwar im Mango Rooms. Als wir uns draußen auf die Terrasse setzen,  sind wir sogar komplett allein, sehr  angenehm. Wir bestellen als Vorspeise eine Thunfisch-Mango-Ceviche, zum Hauptgang die zwei Chefempfehlungen. Das Thunfischsteak und ein Lammgericht, das ein wenig an Gulasch erinnert. Für die Wartezeit gibt es aufs Haus noch frittierte Mango- und Bananenchips.Vorspeise mango rooms

Ceviche mango rooms

Mango Room Gulasch

Thunfisch mango rooms

Was für ein geniales Restaurant, vom ersten bis zum letzten Bissen einfach nur erste Klasse. Kennt ihr das auch, dass wenn ihr das erste Mal von etwas probiert und es dann mit geschlossen Augen ganz langsam auf der Zunge zergehen lasst. So ist es bei jedem Gang. Dazu trauen wir uns auch zum ersten Mal einen Weißwein zu bestellen, da die Auswahl bis zu dem Zeitpunkt eher beschränkt war. Und auch der, wenn auch mit Abstrichen, war in Ordnung.

Nach dem schönen, genussvollen Abend geht es genauso am nächsten Morgen weiter. Auf der Suche nach dem allmorgentlichen Koffeinshot treffen wir auf das Fusion Café. Weil ich mal wieder Lust auf westliches Frühstück habe, bestelle ich ein Bananenbrot mit Ricotta und Honig und einen Limetten-Joghurt-Shake. Köstlich erfrischend!

Bananenbrot Fusion Café

Smoothies Fusion Café hoi an

Am nächsten Tag steht endlich ein Event bevor, das ich schon seit Beginn der Reise auf meiner To-do-Liste hatte – ein Kochkurs. Zu entspannter Stunde um halb zwei geht es los. Zunächst steht ein gemeinsamer Besuch auf den Markt auf dem Plan, um die Zutaten, mit denen wir kochen, selbst auszusuchen. Wobei der Koch natürlich ausschlaggebend bei der Wahl und vor allem beim Preishandeln ist.

Nudeln Markt hoi an

Gemüse Markt hoi an

Chili Markt hoi an

Banh Tho sweet cake

Zurück im Kochstudio geht es dann los. Auf der Speisekarte stehen gefüllter Tintenfisch, Fisch im Bananenblatt, Frühlingsrollen und Nem Lui, die Frikadellen. Wir mischen, kneten, rollen und füllen was das Zeug hält.

Cooking class working

Spring rolls machen

Am Ende haben wir Essen für ca. 20 Personen zubereitet, obwohl wir nur sieben im Kurs sind. Zuviel? Nicht für mich, der ganze Korb Frühlingsrollen ist in ein paar Minuten weggeatmet, der Fisch im Bananenblatt wird mit allen geteilt und vom Tintenfisch kann ich nicht genug bekommen. Letztendlich ist ja auch alles relativ leichte Kost. Ich bin super glücklich, den Kochkurs gemacht zu haben und mich bei der Fülle an Angeboten für den Kurs von ‚Herbes and Spices‘ entschieden zu haben. Der Koch war total nett und hat beim Marktbesuch und im Kochkurs viele Informationen und hilfreiche Tipps gegeben, die Gruppengröße ist auf acht Personen limitiert und das Kochen findet sozusagen bei offenen Türen statt, was die Atmosphäre nochmal entspannter macht. Auch wenn TripAdvisor einen anderen Kurs auf Platz eins gewählt hat, kann ich mir keinen besseren vorstellen.

Gefüllter Calamari

Red Snapper spring rolls

Cooking class start

Aber auch Hoi An müssen wir nun einmal hinter uns lassen. Es geht weiter mit dem Flugzeug von Da Nang nach Ho Chi Minh oder Saigon, um die letzten zwei Tage vor der Reise auf die Philippinen noch ein wenig Großstadtflair zu atmen. Und jeder, der schon mal dort gewesen ist, weiß, was das bedeutet. Motorroller, Motorroller und nochmal Motorroller – und das mal drei! In Hue haben wir das schon in klein gesehen, aber Ho Chi Minh übertrifft alles. 24 Stunden am Tag hört und sieht man sie. Trotzdem machen wir uns zwei Tage lang auf, die Stadt und und ihre Geschichte zu erkunden. Interessanterweise ist die Stadt sogar relativ klein und gut zu Fuß zu erkunden, abgesehen von gelegentlichen Straßenüberquerungsabenteuern. Aber die Vietnamesen passen auf. Ich bin mir fast sicher, dass man auch mit geschlossen Augen über die Straße gehen könnte und es würde nichts passieren. Gut, ausprobieren werde ich es trotzdem nicht. Kulinarisch gibt es hier für mich nur eine nennenswerte Entdeckung, das Restaurant ‚Asien Kitchen‘ in der kleinen Seitenstraße Hem 28 Bui Yien, im Viertel Pham Ngu Lao. Dort habe ich endlich meinen lang ersehnten Hot Pot gefunden. Vor drei Jahren in Thailand habe ich das zum ersten Mal probiert und seitdem habe ich auf das zweite Mal gewartet. Je nach Belieben bestellt man einfach eine Platte mit rohem Fisch, Meeresfrüchten, Fleisch und Gemüse und natürlich Reisnudeln, dann wird eine Art Fonduetopf mit einer Brühe auf den Tisch gestellt und los geht’s.

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Hot pot hoi an

Man schmeißt nach und nach alles in den Topf, lässt es kurz köcheln und nimmt sich raus, was man möchte. Jeder hat seine kleine Schüssel mit Nudeln vor sich und so kann man sich immer wieder neue Kreationen zusammenstellen. Ein Gedicht, wie mein Vater sagen würde. Wie ihr es euch vielleicht schon denken könnt, waren  wir auch hier zwei Abende hintereinander.

So, das waren meine kulinarischen Erinnerungen an Vietnam, die ich doch mit einer kleinen Träne im Auge geschrieben habe. Aber der Blick aufs Meer mit Sonnenuntergang, der Mangoshake in der Hand und die Palme neben mir entschädigen dann doch das Essen hier. Und wer weiß, vielleicht werde ich ja nochmal positiv überrascht – ich bin gespannt!

Laternen am tag hoi an

3 thoughts on “Jagen und sammeln in Vietnam – 3 Monate Rucksnacking durch Südostasien

  1. Das wirkt alles sehr lecker, schöne Fotos! Wie sieht es eigentlich mit vegetarischem Essen in SOA aus? Habt ihr da auch Erfahrungen mit gemacht?

    Herzlich,
    Anna

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    1. Hallo Anna,
      schön,dass dir der Beitrag gefällt. Mit vegetarischem Essen direkt hab ich nicht so viele Erfahrungen gemacht,aber in Kambodscha, Laos und Vietnam gab es fast auf jeder Karte Optionen für Vegetarier. Vor allem die Suppen und Salate sind vielfältig und perfekt für Fleischlosliebhaber. Nur auf den Philippinen haben die es ziemlich schwer,da gehört Fleisch fast zu jeder Tageszeit auf den Tisch.
      Ich hoffe, ich konnte dir damit weiterhelfen.
      Wohin geht es denn für dich?
      Liebe Grüße
      Linda

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